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Special
Sanfte pädagogische Revolutiondidacta 2011 Themendienst: Norbert Brugger vom Städtetag Baden-Württemberg erklärt, warum die Kommunen den Ausbau von Bildungshäusern forcierenMit vier und fünf Jahren interessieren sich Kinder brennend dafür, welche Bedeutung Zahlen und Buchstaben haben. Auf die neugierigen Fragen der Kleinen hatte unser traditionelles Bildungssystem die immer gleiche Antwort: "Geh spielen. Warte, bis du älter bist." Spätestens seit den ersten Ergebnissen der PISA-Studie wurde erkannt, wie wichtig die Entwicklung in der Vorschule – und da insbesondere in puncto Spracherwerb – für eine Schulkarriere ist. Nun verzahnen Kindergarten und Grundschule Teile ihres Bildungsangebotes. Diese Angebote betreuen Lehr- und Fachkräfte beider Einrichtungen. Die Kooperation findet in den Räumen der beiden Institutionen Schule und Kindergarten statt, hat aber einen Namen: Bildungshaus. Mit vier und fünf Jahren interessieren sich Kinder brennend dafür, welche Bedeutung Zahlen und Buchstaben haben. Auf die neugierigen Fragen der Kleinen hatte unser traditionelles Bildungssystem die immer gleiche Antwort: "Geh spielen. Warte, bis du älter bist." Spätestens seit den ersten Ergebnissen der PISA-Studie wurde erkannt, wie wichtig die Entwicklung in der Vorschule – und da insbesondere in puncto Spracherwerb – für eine Schulkarriere ist. Nun verzahnen Kindergarten und Grundschule Teile ihres Bildungsangebotes. Diese Angebote betreuen Lehr- und Fachkräfte beider Einrichtungen. Die Kooperation findet in den Räumen der beiden Institutionen Schule und Kindergarten statt, hat aber einen Namen: Bildungshaus. Fließender Übergang in die SchuleNorbert Brugger, Dezernent des Städtetags Baden-Württemberg, ist vom Nutzen der Bildungshäuser überzeugt. "Wer einmal ein Bildungshaus betreten hat", berichtet er, "ist fasziniert, wie Schulkinder mit Unterstützung der Lehrkräfte den Kindern im Vorschulalter das Lesen beibringen – auf eine kindliche und spielerische Art. Beide Seiten profitieren davon. Die Kinder im Vorschulalter lernen lesen, die Schulkinder wenden ihre Kenntnis über Sprache und Buchstaben an, denn die höchste Form des Lernens ist, wenn man anderen etwas erklärt und auf Rückmeldungen reagiert." Baden-Württembergs Kultusministerin Marion Schick steht ebenfalls zu den Bildungshäusern. "Das Bildungshaus ermöglicht durch die enge Kooperation zwischen Kindergarten und Grundschule einen bruchlosen Übergang vom Kindergarten in die Schule", sagt sie. "Die Kinder haben die Möglichkeit, diesen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten individuell zu gestalten. Mit den Bildungshäusern werden damit beste Voraussetzungen für gute Bildungschancen und erfolgreiche Bildungsbiografien geschaffen." Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ist im Bildungshaus tatsächlich fließend. "Er geschieht nicht mehr abrupt, wird kaum bemerkt", beobachtet Norbert Brugger, "es gibt keinen richtigen Schulanfang mehr." Bildungshäuser inszenieren daher den Schulbeginn. Sie wählen den Termin selbst, zu dem Kinder mit Schultüten und Süßigkeiten den Eintritt in einen neuen Lebensabschnitt feiern, den sie dank ihrer kindlichen Neugierde und der Etablierung von Bildungshäusern längst beschritten haben. Für Pädagogen ändert sich stellenweise der Berufsalltag; sie müssen sich im Unterricht stärker zurücknehmen und Kinder agieren lassen. "Prägend ist", berichtet Norbert Brugger, "wie Kinder auf beiden Seiten gestärkt werden, indem man ihre eigenen Fähigkeiten nutzt, um sich gegenseitig zu helfen." Starker Zulauf Das Interesse an Bildungshäusern ist in den Kommunen groß. Ursprünglich sollten mit Beginn dieses Jahres 70 neue Bildungshäuser vom Land Baden-Württemberg gefördert werden. Beworben haben sich aber weit mehr. Die gute Nachricht: Das Land fördert nun weitere 156 Bildungshäuser. Im Nachtragshaushalt hat das Land 3,5 Millionen Euro dafür bereitgestellt. Norbert Brugger wertet das als Erfolg: "Das ist noch nicht flächendeckend, wird aber mittelfristig flächendeckend sein." Warum wollen Kommunen den Ausbau von Bildungshäusern forcieren, werden sie in Zeiten klammer Kassen doch finanziell stark belastet? "Eine Kommune kann auf alles verzichten, außer auf ihre Einwohner", hält Norbert Brugger vom Städtetag dem entgegen. "In Zeiten sinkender Einwohnerzahlen steigt die Konkurrenz unter den Kommunen um Einwohner, und da vor allem um Familien, weil sie die Zukunft sichern. Für uns hat das Bildungshaus und damit ein bedarfsgerechtes Betreuungsangebot für Kinder eine herausragende Bedeutung für die Sicherung von Bildungsstandorten – und letztlich auch für die Sicherung von Kommunen. Man muss sich nur in die Lage von Eltern versetzen, die sich ihre dauerhafte Bleibe suchen. Oft sind beide Elternteile berufsfähig." Die demografische Entwicklung indes beschert uns in den nächsten Jahren rückläufige Schülerzahlen. Dem Ausbau von Bildungshäusern steht das nicht entgegen. "Es gibt Raum für Neues", meint Norbert Brugger. Viele Einrichtungen in Grund- und Hauptschulen werden frei. Der neue Raum wird von Bildungshäusern und wachsenden Ganztagesangeboten eingenommen. Gleichzeitig werden Kompetenzen in der Bildung neu geordnet. "Hier kommt die Kommune mit ihrem Personal in Kindergärten mit dem Landespersonal an den Schulen zusammen", sagt Norbert Brugger. "Es ist ein Institutionen übergreifender Ansatz, das Land ist pädagogisch verantwortlich und die Kommunen sind als Träger betroffen. Das muss zusammenpassen, das muss erst wachsen. Für mich findet in diesem Bereich gegenwärtig eine sanfte pädagogische Revolution statt." Dazu auf der didacta 2011 Mittwoch, 23.Februar 2011 Freitag, 25. Februar2011, 14:00 bis 15:30 Uhr Der Boom der Bildungshäuser. "Entwicklungshilfe" für Kinder oder für Gemeinden? Bildungshäuser boomen in Baden-Württemberg – ein Konzept, das bundesweit beobachtet wird. Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren lernen und spielen gemeinsam. Ist diese Kooperation von Kindergarten und Grundschule beispielgebend und zukunftsweisend, wie die Regierung findet? Ist sie pädagogisch besonders wertvoll oder führt sie zu einer Verschulung des Kindergartens? Ist das Bildungshaus doch eher ein Standortfaktor für Gemeinden? Wie klappt überhaupt die Zusammenarbeit von Erzieherinnen und Lehrkräften? Warum geht gemeinsames Lernen nur in dieser Altersspanne? Darüber diskutieren Christa Engemann vom Kultusministerium und Norbert Brugger vom Städtetag, Doro Moritz von der GEW, die Grundschulverbandsvorsitzende, Erika Brinkmann, und ein Vertreter des engagierten Bildungshausstandorts Heidenheim an der Brenz. Eine Veranstaltung der Stuttgarter Zeitung forum bildung, Halle 1, Stand 1K72 Quelle: bildungsklick.de
(lekl) 27.12.2010
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