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Special
"Diese kleine Spielmaschine ist ideal zum Lernen"Interview mit dem Medienpädagogen Professor Dr. Hartmut Warkus über mobiles Lernen(bikl) Mathe pauken mit dem Nintendo DS, die Englischkenntnisse aufbessern per iPod: Immer mehr Angebote zum mobilen Lernen tummeln sich auf dem Markt. Doch taugen die kleinen Spiel- und Unterhaltungskonsolen überhaupt zum Lernen und halten die Programme das, was sie versprechen? Kann man Eltern und Kindern mobiles Lernen empfehlen? Das wollten wir von dem Medienpädagogen und Gründer der ComputerSpielSchule Leipzig, Professor Dr. Hartmut Warkus, wissen. Herr Professor Warkus, in bestimmten Abständen gibt es deutliche Trends zu neuen Lernmedien – vom Overheadprojektor über den PC bis zum Nintendo DS oder gar dem iPod. Liegt das daran, dass sich das Lernen und die Lernenden verändert haben? Hartmut Warkus: So weit würde ich nicht gehen. Es sind einfach die technischen Möglichkeiten dieser Geräte, mit denen man eine ziemlich breite Zielgruppe erreichen kann. Der Nintendo DS ist eigentlich eine kleine Spielmaschine, er ist aber auch ideal zum Lernen geeignet, und zwar nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene und ältere Menschen. Es scheint ja tatsächlich so, als verlagere sich das Lernen mit neuen Medien vom PC auf die Konsole. Stimmt das? Hartmut Warkus: Ja, das ist richtig. Und dafür gibt es gute Gründe: Die Eingabe ist einfacher. Am Computer hat man immer dieses Brett, die Tastatur, vor sich. Und das stellt einfach eine Hürde dar. Man muss sich darauf konzentrieren, etwa um die richtige Taste oder gar eine Tastenkombination zu treffen. Bei Nintendo DS oder iPod ist das relativ einfach: Man tippt mit den Fingern auf den Bildschirm. Die Geräte sind außerdem sehr viel sicherer, es gibt keine Programmabstürze. Und, was ganz typisch ist: Man kann sie nebenbei verwenden. Das heißt also, während man im Auto mitfährt, im Zug sitzt oder auf den Bus wartet. Das habe ich schon alles gesehen und mache ich auch selbst. Und warum sollen Kinder damit nicht mal im Zug zehn Matheaufgaben lösen? Sie haben einmal gesagt: Was Kindern in ihrer Freizeit Spaß macht, kann potenziell auch zum Lernen genutzt werden – also einfach ein Programm in die Konsole stecken und los geht´s mit dem Lernen? Hartmut Warkus: Ich muss die Kinder motivieren, das ist ganz wichtig, sonst funktioniert Lernen nicht. Die Motivation kann aber auch durch das Gerät und seine Faszination kommen. Und: Die guten Lernprogramme, die es mittlerweile für diese Geräte gibt, sind aus sich heraus motivierend. Nicht weil sie versprechen: "Jetzt werde ich dir das Einmaleins beibringen", sondern weil sie sagen "Mit mir kannst du dein Wissen erweitern". Sie geben an: "Wir sind für die didaktische Funktion "Festigen" da. Wir erklären dir nicht unbedingt genau, wie du binomische Formeln lösen musst, aber wenn du binomische Formeln lösen kannst, dann können wir dir sagen, wie du dabei besser wirst."
Hartmut Warkus: Auf keinen Fall! Es ist eine Ergänzung. Die Geräte sehen ja auch schon ein bisschen so aus, sie sind klein und man nimmt sie nicht ganz so ernst. Das liegt auch an Dr. Kawashima und Co., mit denen das Lernen auf den Konsolen ja angefangen hat und mit deren netter Hilfe Kinder und Erwachsen etwas über sich erfahren konnten: Bin ich intelligent, kann ich gut koordinieren, wie sieht`s mit meinem räumlichen Denken aus? Und genau das wollen Kinder und Heranwachsende wissen: Ob sie etwas richtig oder falsch gemacht haben. Eltern wollen, dass ihre Kinder Lernerfolge haben und werden deshalb gern zu solchen Programmen greifen. Welche Erfolge können sie von diesen Lerntiteln wirklich erwarten? Hartmut Warkus: Sie können davon erwarten, dass die Kinder ihr erworbenes Wissen, das aber noch nicht so fest sitzt, festigen. Diese Festigungsfunktion kann man diesen Lerntiteln auf jeden Fall zubilligen. Und Eltern können noch eins drauf setzen, was zusätzlich motivierend ist. Sie können nämlich ihren Kinder kleine Arbeitsaufträge geben: "Mach mal diese Aufgaben und ich guck mir dann an, wie gut du bist". Denn die meisten dieser Lernprogramme haben ein entsprechendes Auswertungsmodul. Eltern können also feststellen, in welchen Bereichen die Kinder stark oder noch schwach sind. Und die Kinder bekommen so von den Eltern einen Ansporn, nach dem Motto: "Ich werd` euch mal zeigen, wie gut ich bin, was ich schon alles kann." Früher haben Kinder lange Autofahrten mit einer Kassette überbrückt, heute machen sie das mit dem Nintendo DS und dabei tun sie sogar noch etwas für ihr Wissen. Können Sie sich auch vorstellen, dass Konsolen im Unterricht eingesetzt werden? Hartmut Warkus: Wir setzen den Nintendo DS in der Lehrerfortbildung ein, um den Lehrern zu zeigen, was es alles gibt. Wir legen den Tisch voll mit verschiedenen Programmen für dieses Gerät und die Lehrer können dann ausprobieren. Dabei machen wir immer wieder die gleiche Erfahrung: Die Lehrer beherrschen das Gerät sofort, also diese Hemmschwelle "ich kann das nicht" oder "ich blamiere mich damit" - die gibt´s hier nicht. Wir haben jetzt etliche dieser Lehrerfortbildungen gemacht und die Lehrer sind begeistert. Sie würden diese Geräte sofort in der Schule einsetzen, wenn man ihnen die technischen Möglichkeiten bieten würde. Wenn der Lehrer die Hausaufgabe mit einem Nintendo DS formulieren würde: "Löse mal diese Aufgaben, die in dieser Lernsoftware gestellt werden" – das ist ja dann ähnlich formuliert wie jede herkömmliche Hausaufgabe auch - und am nächsten Tag würde das dann entsprechend gewürdigt in der Klasse, das wäre doch toll!
Hartmut Warkus: Auf jeden Fall. Dazu muss man sagen: Die Abfrage- und Kontrollmöglichkeiten vieler PC-Programme waren einfach makaber. Es ist etwas ganz anderes, wenn der Schüler eine sachliche Information über seine Leistung bekommt, als wenn irgendeine Figur herumspringt und brüllt "Juchhu, du bist der Größte" obwohl der Schüler tatsächlich 60 Prozent falsch gemacht hat. Da wird der Lernende nicht ernst genommen. Das ist zu einem Großteil für diese kleinen Handhelds sehr viel besser gelöst. Hier bekommt der Schüler gesagt: Du hast 60 Prozent falsch gemacht, übe noch einmal dies, oder schau dir noch einmal jene Aufgabe an. Das brauchen die Kinder, das ist für sie wichtig. Und das macht der Lehrer genauso. Warum muss ich da immer ein Spiel drüberstülpen? Das tun die Lernprogramme für die kleinen Konsolen meistens nicht. Sie sind zwar auch schön bunt, entscheidend ist aber, dass alles passt: Die Aufgabe ist oben, das Brett - den Touchscreen - habe ich unten. Das ist beim PC mit Tastatur und Bildschirm anders. Beim PC bekommen die Kinder eine Aufgabe gestellt, dann klicken sie weiter und oftmals sieht der Bildschirm dann ganz anders aus. Das passiert hier nicht, die Aufgabe bleibt oben stehen. Die technischen Möglichkeiten dieses Geräts werden einfach zum Lernen genutzt. Und das war ja der Ausgangspunkt unseres Gesprächs: Nicht die Lernenden fordern das ein, sondern die Geräte machen es möglich. Und es ist entdeckt worden, dass man damit einen Markt beliefern kann. Der Markt sollte dankbar sein, denn hier kommt etwas, was man gebrauchen kann. Quelle: bildungsklick.de »Hier finden Sie ausführliche Rezensionen zu mobile Lernprogrammen und Spielen auf lernklick.de
(lekl) 24.10.2009
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