Er setzt seine Zuschauer unter Strom und bringt seine Zuhörer auf Forschungs-Hochtouren. Joachim Hecker ist Chef der „Hexenküche“, begeistert im Radio auf WDR 5 mit seinen „Hexperimenten“ Kinder für die Wissenschaft. Im Interview sagt er: „Wissenschaft geht auch in der Küche!“
Wissenschaft begreifen und be-greifen, Praxis statt Theorie: Wie wichtig ist dies, um Kindern Naturgesetze begreiflich zu machen?
Joachim Hecker: Das ist genau der Punkt: Wer etwas verstehen will, sollte es im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“. Wissenschaft ist etwas für alle Sinne – fürs Hören, Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken. Der italienische Graf Alessandro Volta, der um 1800 die erste Batterie gebaut hat, testete den Strom daraus mit seiner Zunge. Wer also meint, Wissenschaft sei blanke Theorie, der irrt. Wissenschaft ist praktisch und macht richtig viel Spaß!
Und das klappt auch im Radio? Da sieht man doch nichts!
Joachim Hecker: Gerade deswegen, denn die Kinder bekommen keine fertigen Bilder vorgesetzt, sondern können sich anhand unserer Beschreibung selbst ein Bild machen von dem, was da wirklich gerade live passiert. Wenn wir Schwerelosigkeit auf der Erde herstellen, in der Mikrowelle einen zugeknoteten Luftballon aufpusten oder ein „U-Brot“ bauen, sind viele Kinder einfach nur in Gedanken beim Experiment dabei und machen für sich selbst ein waschechtes „Kopf-Experiment“.
Das Labor ihrer Experimente-Ideen ist der Haushalt. Ist Wissenschaft für Kinder auch etwas, was die ganze Familie bewegen sollte?
Joachim Hecker: Aber hallo! Meine Experimente sind für alle Kinder von 8 bis 99 Jahren. Viele Erwachsene haben großen Spaß am Experimentieren – sie können es nur nicht mehr so einfach zugeben. Außerdem macht gemeinsam Experimentieren viel mehr Spaß, denn wie in der großen Wissenschaft ist für Entdeckungen Teamarbeit gefragt. Und Erwachsene können da viel von Kindern lernen, denen fallen nämlich die spannendsten Fragen ein: „Warum fällt alles nach unten?“, „Was ist ‚nass’?“ oder „Warum kann ich durch Luft durchschauen und durch Papier nicht?“ sind typische Kinderfragen, die es in sich haben. Apropos Teamarbeit: Zum Glück gibt es genug Experimente etwa mit Feuer, wo Eltern zwingend notwendig sind. Aber nur unter Aufsicht der Kinder!
Alle reden über Neue Medien, Sie haben bereits Ihr drittes Experimente-Buch und sogar ein Hörbuch dazu am Start. Warum kommt die gedruckte Wissenschafts-Hexenküche bei Kinder so gut an?
Joachim Hecker: Hinsetzen und sofort losschmökern, im Bett, auf dem Sofa, im Auto, unter der Schulbank. Das habe ich von so viel Seiten gehört. Die Bücher liegen in der Küche auf dem Küchentisch, neben dem Herd, im Badezimmer, überall dort, wo experimentiert wird. Und wenn eines runterfällt, hebt man’s auf und muss kein neues kaufen. Es lässt Platz für Notizen, ist leicht und abwischbar. Am Computer findet alles nur hinter der Monitorscheibe statt. Das ist fade.
Sie betreiben eine eigene Website zu „Heckers Hexenküche“ – was kann das Internet für den Forscherdrang von Kindern leisten?
Joachim Hecker: Als Ergänzung ist es prima. Man erhält im Internet viele Anleitungen, um selber zu experimentieren, und auch vielfältige Erklärungen dazu. Nur: Kapieren muss ich’s selber. Einige Experimente von mir gibts auf www.hexperimente.de. Das ist ein Nebenprodukt. Deshalb sind die Bücher viel ausführlicher und – ich gebs ja zu – auch genauer.
Joachim Hecker (Jahrgang 1964) ist Diplomingenieur und studierter Elektrotechniker. In der WDR-Radio-Sendung „Lilipuz“ experimentiert er in „Heckers Hexenküche“ mit ganzen Schulklassen und erklärt Kindern Naturwissenschaft. Mit „Experimente“, „Noch mehr Experimente“ (erschienen unter Kinder Brockhaus) und „Das Haus der kleinen Forscher“ hat er drei Bestseller geschrieben. Sendung und Bücher begleitet er im Internet unter www.joachim-hecker.de.