Mithilfe eines Stadtplans findet sich jeder in einer fremden Stadt gleich viel besser zurecht. Richtig schnell geht’s, wenn vorher bereits eine Route rausgesucht und festgelegt worden ist. Auch Lernen klappt planvoll besser, vor allem, wenn auf den Lerner zugeschnittene Lernstrategien zur Anwendung kommen. Individuell zusammengestellt und konsequent verfolgt unterstützen sie Lernfortschritte und sorgen für Erfolgserlebnisse.
Bevor anhand lernunterstützender Lerntechniken und Hilfsmittel eine konkrete Lernstrategie entwickelt werden kann, steht die Frage nach den äußeren Lernbedingungen. Ebenso wichtig wie ein angenehmer Arbeitsplatz und Lernpausen sind dabei Konzentration und Motivation. Letztere hängt meist unlösbar mit der Frage nach dem Ziel des Lernens zusammen, weshalb dieses vorab klar umrissen werden sollte: Geht es um die kontinuierliche Pflege des Wissensschatzes, Wortschatzerhaltung oder -erweiterung (ob in der Mutter- oder in einer Fremdsprache), die Aneignung punktuellen Spezialwissens (für eine Hausaufgabe, ein Referat oder eine Prüfung/Klausur) oder das Erfolgserlebnis, mit allgemeinem Wissen glänzen zu können (in Schulfächern oder auch im privaten Bereich)?
Je nach Zielsetzung verändern sich unter anderem die folgenden Lernaspekte:
Zeit (Bis wann soll der Stoff sitzen? Wie intensiv soll er über einen längeren Zeitraum abrufbar sein? Welcher Zeitaufwand steht in einem sinnvollen Verhältnis zum zu erwartenden Ergebnis?)
Lernrhythmus (Soll/kann eine tägliche Lerneinheit stattfinden? Wer überprüft wann die Lernfortschritte? Allein lernen oder in einer Gruppe?)
Materialien (Liegen die Lernmaterialien bereits vor? Wie gestaltet sich ggf. die weiterführende Recherche?)
Lernmethode (Welche Lerntechniken sind sinnvoll? Sind Hilfsmittel erforderlich? Wie können diese ggf. hergestellt/beschafft werden?)
Lernunterstützung (Wer ist Ansprechpartner bei auftretenden Problemen? Wie kann der individuelle Lernablauf in das Familienleben eingegliedert werden? Ist Motivation von außen möglich?)
Aus diesen fünf Aspekten lässt sich der grobe Rahmen abstecken, in welchem sich das Lernen bewegen soll.
Lautet das Ziel nun beispielsweise „Bestehen der nächsten Englischklausur“, könnten die Angaben so lauten:
1) Zeit:
- Klausurtermin ist der 13.03.09 (jetzt ist es Ende Januar), demnach sollte der Stoff bis zum 12.03. sitzen, damit noch Zeit für Entspannung vor der Klausur bleibt. So bleiben noch sechs Wochen Zeit zum Lernen.
- Auf den Inhalten der Klausur wird im nächsten Schulhalbjahr aufgebaut, daher ist es sinnvoll, den Stoff gründlich zu lernen und auch über den Klausurtermin hinaus abrufbar zu halten, also gegebenenfalls zu wiederholen.
2) Lernrhythmus:
- Da die Fremdsprache allgemein schon ganz gut sitzt und auch in anderen Fächern noch Klausuren anstehen, sollten bei einem Lernzeitraum von sechs Wochen zwei Lerntage pro Woche ausreichen.
- Einmal in der Woche fragt ein Erwachsener Vokabeln und Grammatik ab.
3) Materialien:
- Schulbuch und Lernheft sind vorhanden. Sollten die darin enthaltenen Erklärungen unverständlich oder zu knapp sein, können sprachkundige Erwachsene oder Lernhilfen dazukommen. Außerdem ist ein zweisprachiges Wörterbuch sinnvoll, damit Vokabelfragen selbstständig ausgeräumt werden können.
- Ist es notwendig, eine verständliche Schülergrammatik oder Lernhilfe anzuschaffen, ist darauf zu achten, dass die Klausurthemen darin ausführlich vorkommen. Auch das Zulegen von Vokabelkarten oder einem Vokabellernprogramm sollte überlegt werden.
4) Lernmethode:
- Für das Wiederholen der englischen Grammatik ist erstmal Konzentration gefragt. Diese kann trainiert werden, unabhängig vom Fach.
- Geht es um Sonderfälle oder Vokabeln, bieten sich Mnemotechniken oder Karteikartensysteme an.
- Der Hauptaufwand sollte dem Lernstoff gelten, nicht der Beschaffung von Hilfsmitteln oder der Aneignung von Lerntechniken, sonst sind die sechs Wochen im Flug vergangen. Auf lange Sicht darf dann anders priorisiert werden.
5) Lernunterstützung:
- Je nach Klassenstufe der Kinder ist im Fach Englisch meist Hilfe durch die Eltern möglich, wenn es um Aussprache oder das Abfragen des Gelernten geht. Darüber hinaus weisende Probleme, beispielsweise mit dem Verständnis grammatikalischer Besonderheiten, sind eher an den Lehrer des Fachs oder Mitschüler mit einem guten Englischverständnis heranzutragen.
- Für das Familienleben und den Lerner können feste Lernzeiten von Nutzen sein. So kommt es zu weniger Stress auf beiden Seiten und zudem unterstützt ein fester Rhythmus (der allerdings auch aus unterschiedlichen Zeiten je nach Wochentag bestehen kann) den Lerner im konsequenten Wahrnehmen seines Lernpensums.
- Zwischenergebnisse sollten zugunsten der Motivation belohnt werden. Das spornt an und nimmt den Druck, dass es allein auf die Klausurnote ankommt.
Einmal abgeklärt stecken diese fünf Aspekte, die individuell selbstverständlich erweitert werden können, den Rahmen des Lernplans fest. Dieser will nun gefüllt werden.
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