Ob mit Vexierbild, dem Kanizsa-Dreieck oder den verworrenen Treppen von Maurits Cornelis Escher: Unsere Augen scheinen sich leicht überlisten zu lassen. Diese Schwäche wird in diesem Geschicklichkeits- und Knobelspiel gnadenlos herausgefordert, wenn es darum geht, harmlose Figuren durch absurde Labyrinthe zu führen. Scheinbar unüberwindbare Hürden können elegant umgangen werden, betrachtet der Spieler die Situation aus dem richtigen Blickwinkel.
Sind Loco Roco oder Patapon schon von vergleichsweise schlichter Grafik aber ausgefuchster Spielraffinesse geprägt, besticht echochrome auf den ersten Blick durch absolute Reduzierung auf das Wesentliche. Ausschließlich im Kontrast von Schwarz und Weiß präsentiert sich die Spielumgebung auf dem chronisch unterforderten Display der PSP. Mehr braucht es allerdings auch nicht für die trickreiche Umsetzung der Spielidee. Kleine Männchen, ähnlich einer Gliederpuppe, laufen auf frei schwebenden Objekten hin und her. Ziel ist es den Figuren einen Weg zu ebnen, auf dem diese von A nach B gelangen können ohne dass sie ins Nichts stürzen.
Fünf Gesetzte helfen den Spielern dabei, geschickte Rettungsmanöver zu arrangieren: Gesetz der Perspektivenreise, der Perspektivenlandung, der Perspektivenexistenz, der Perspektivenabsenz und des Perspektivensprungs. Bei all diesen sonderbar anmutenden Gesetzten geht es letztlich nur um eines, den eigenen Augen zu misstrauen. Gelingt dies, ist der Sieg so gut wie sicher. Oder anders formuliert: Wer in diesem Spiel auf die gewohnten Gesetzte der Perspektive baut, ist verloren! Scheinbar weit entfernte Objekte finden auf einmal zueinander, Lücken verschwinden oder ein unausweichlicher Fall in die Tiefen führt doch noch zu einer sicheren Landung.
Die Labyrinthe sind mit dem Steuerpad in sämtliche Richtungen zu drehen und neigen, so dass sie aus allen Blickwinkeln betrachtet werden können. Und allein dies führt quasi zur Veränderung selbiger und eröffnet dem Bot den richtigen Weg. Jedes der frei zugänglichen 96 Szenarien startet im Ruhemodus und kann so erst einmal genaustens unter die Lupe genommen werden. Zuerst darf also ein schlauer Plan für das Level entworfen werden, bevor es nach dem Levelstart um die Zeit geht. Diese ist allerdings lediglich für die Statistik von Bedeutung, da die Figur zwar aus dem Labyrinth purzlen kann, dahin aber stets zurückkehrt. Insgesamt stehen drei Spielmodi zur Verfügung. Neben dem Solospiel gibt es noch das Paarspiel, bei dem weitere Figuren im Labyrinth berührt werden müssen. Dies bedeutet extreme visuelle Herausforderungen, denn es gilt nun mehrere Figuren im Auge zu behalten und entsprechend das Labyrinth zu bewegen. In der dritten Option tauchen zusätzlich gegnerische Figuren auf, die es gilt auf dem Weg zur gewünschten Zielperson zu meiden. Als wäre damit nicht bereits reichlich Spielvergnügen in einem Programm vereint können mit dem Leveleditor zusätzlich eigene Labyrinthe erschaffen und mit Mitspielern getauscht werden.
Visueller Minimalismus vereint mit höchstem Knobelniveau ist in diesem Game zu bewundern. Diverse Spielmodi und die von Beginn an frei zugänglichen Level lassen den User selbst bestimmen welche Herausforderung gerade angenommen werden will. Und sind tatsächlich einmal sämtliche Rätsel gelöst, können mit einem Editor eigene Labyrinthe erschaffen werden.
Titel: echochrome
Verlag: Sony
empf. Preis: 30,85 Euro
Medium: UMD
System: Sony-PSP
Erscheinungsjahr: 2008